Historie

Die historische Überlieferung zur Entstehung der Luisenstadt geht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit bestand die heutige Stadt Berlin noch aus zwei Städten: die auf der Spreeinsel gelegene Stadt Cölln und die gegenüberliegende Stadt Berlin. Im Jahr 1261 erwarb die Stadt Cölln ein unbesiedeltes Gebiet vor den eigenen Stadttoren. In der sogenannten Myrica (Teil der späteren Luisenstadt) siedelten sich zunächst Ackerbürger an.

Die Cöpenicker Vorstadt um das Jahr 1700

Cöpenicker Vorstadt um das Jahr 1700 +

Die Cöpenicker Vorstadt um das Jahr 1750

Cöpenicker Vorstadt um das Jahr 1750 +

Entstehung und Aufschwung der Köpenicker Vorstadt
1307 schlossen sich die zwei mittelalterlichen Kaufmannssiedlungen Berlin und Cölln zu einer Doppelstadt zusammen und weiteten sich allmählich aus. So entstand die Köpenicker Vorstadt, durch die zwei bedeutende Straßen verliefen: der Rixdorfer Damm (später Dresdener Straße) Richtung Dresden und Cottbus sowie die Köpenicker Straße, der Verbindungsweg nach Köpenick. Im Unterschied zu den von den Kurfürsten forcierten planvollen Erweiterungen westlich der Doppelstadt Berlin-Cölln (u. a. Dorotheenstadt und Friedrichstadt), wo insbesondere wohlhabende Bürger in der aufstrebenden Residenzstadt angesiedelt wurden, entwickelte sich die Köpenicker Vorstadt zunächst weitgehend regellos. Der Bau des Festungswalls um Berlin-Cölln in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ die weitere Entwicklung der Köpenicker Vorstadt zunächst stagnieren. Erst die Erteilung des Stadtrechts im Jahr 1701 führte zu einem Aufschwung in der Köpenicker Vorstadt. Zwischen 1734 und 1737 wurde schließlich die Berliner Zollmauer um das gesamte, nun als Köpenicker Viertel bezeichnete, Gebiet errichtet. Teil der Festungsanlage waren u. a. das Hallesche Tor, das Kottbusser Tor sowie das Schlesische Tor, die die verkehrliche Anbindung zur näheren Umgebung ermöglichten.

Die Luisenstadt im Jahr 1838

Die Luisenstadt im Jahr 1838 +

Die Waisenbücke im Jahr 1836

Die Waisenbücke im Jahr 1836 +

Die historische Luisenstadt
Auf Antrag der Bürger wurde das Köpenicker Viertel 1802 von König Friedrich Wilhelm III. nach seiner Gemahlin Luise in Luisenstadt umbenannt. Im Jahr 1841 wurde die Luisenstadt um das Gebiet zwischen der Zollmauer und dem Landwehrkanal vergrößert und stellt damit die zweite planmäßige Stadterweiterung Berlins im 19. Jahrhundert nach Plänen von C. L. Schmidt und P.J. Lenné dar.
Der massenhafte Zuzug von Arbeitssuchenden machte den Bau von Wohnungen erforderlich. Damit avancierte die Luisenstadt mit ihren zunächst noch freien Flächen zu "dem Neubaugebiet" des 19. Jahrhunderts und wurde in ihren Grundzügen als klassisches Gründerzeitviertel nach dem Prinzip der Blockrandbebauung mit Seitenflügeln, Hinterhäusern und im Blockinneren mit einem hohen Anteil an Produktionsstätten, kleineren Manufakturen und Fabriken geplant und realisiert.

An der Köpenicker und der Schlesischen Straße entstanden u. a. die damals berühmte Dannenbergersche Färberei, verschiedene metallverarbeitende Unternehmen oder auch die Eisfabrik am Spreeufer mit dem heute noch erhaltenen Maschinen- und Kesselhaus. In dieser Zeit stieg die Bevölkerungszahl von anfänglich 13.000 Einwohnern um 1800 auf über 300.000 Einwohner im Jahr 1910 an und wandelte sich von einem weitgehend ländlich Gebiet zu dem am dichtesten besiedelten Stadtteil Berlins. Der Aufschwung der Luisenstadt endete mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Schon zuvor hatte die Bevölkerungszahl, bedingt durch die Umwandlung von Wohn- in Gewerberäumen, abgenommen. Den starken Verlusten infolge des Krieges sowie der Abwanderungsflut folgte mit Kriegsende der Zusammenbruch der Produktion, die den Rüstungszwecken diente. Durch ein Gesetz im April 1920 wurde die neue Stadtgemeinde Berlin geschaffen. Das Gesetz sah vor, die Luisenstadt südlich des im Jahr 1852 fertiggestellten Luisenstädtischen Kanals an den Bezirk Kreuzberg und den nördlich des Kanals gelegenen Teil der Luisenstadt an den Bezirk Mitte aufzuteilen. Sechs Jahre später wurde der inzwischen wirtschaftlich bedeutungslose Luisenstädtische Kanal beim Bau einer neuen U-Bahn-Linie zugeschüttet. Damit verschwand der Name "Luisenstadt" gänzlich aus den offiziellen Karten.

Die Schillingbrücke

Die Schillingbrücke (ohne Jahresangabe) +

Nach dem zweiten Weltkrieg
Die Luisenstadt wurde im zweiten Weltkrieg in weiten Teilen zerstört.
Mit der Aufteilung Berlins in Besatzungszonen durchschnitt die Sektorengrenze die Luisenstadt. Dies führte zu einer starken infrastrukturellen Vernachlässigung beidseitig der Grenze. Erste Entwicklungen im Wohnungsneubau in Berlin-Mitte und Kreuzberg wurden mit dem baldigen Bau der Mauer rigoros unterbrochen. Ging in den fünfziger Jahren die städtebauliche Planung noch von einer einheitlichen Stadt aus, so setzte spätestens mit dem Mauerbau die Zerstörung historischer Stadtstrukturen ein. Es folgte eine Phase geprägt vom Abriss vorhandener Bausubstanzen und der Errichtung riesiger "Betonburgen".

Nach dem Fall der Mauer
Mit dem Fall der Mauer veränderte sich die Lage der Luisenstadt von der Randlage auf beiden Seiten des geteilten Berlins zu einem zentrumsnahen innerstädtischen Bereich. Dennoch hinterließen vierzig Jahre Teilung eine hohe Zahl an Brachflächen, die heute besonders im Norden nach wie vor unentwickelt sind. Der durch die mehrfachen Interventionen ins Stocken geratene Entwicklungsprozess ist nur schwer wieder in Gang zu bringen, obgleich das Zusammenwachsen der ehemals geteilten Luisenstadt langsam voranschreitet.

             
 
Wer war Luise?

Luise, nach der die Luisenstadt benannt wurde, war Königin von Preußen und lebte Ende des
18. Jahrhunderts in Berlin. Ihr zweiter Sohn Wilhelm Friedrich Ludwig wurde 1871 zum ersten deutschen Kaiser ernannt.